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Seit dem Wintersemester 1983/84 führt die →Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) eine →Untersuchungsreihe zur Situation der Studienanfänger in Deutschland durch. Aus der →Sekundäranalyse des Berichts aus dem Wintersemester 2007 / 08 geht hervor:
Jeweils 19 % der befragten Studienanfänger/innen schätzen die "Nähe zum Hochschulort" und das "Fächerangebot der Hochschule" als wichtigstes Motiv der Studienentscheidung ein. Weitere 13 % geben an, einen Ortswechsel allein aufgrund von Zulassungsbeschränkungen oder mangels Angebot des gewünschten Studienfaches an der nächstegelegenen Hochschule vorgenommen zu haben.
In einer weiteren →Studie stellt das HIS hinsichtlich der Studienorte in den "neuen" Bundesländern fest, dass das gute Image vieler Hochschulen in den "alten" Bundesländern und die vermeintlich größere Attraktivität der Hochschulstädte Hürden bei der Anwerbung von Studieninteressierten sind. Die Bedeutung des Faktors städtisches Umfeld wird durch die Untersuchung →"Die Hochschulwahl aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive" unterstrichen, die Gunter Greven im Rahmen seiner Dissertation an der Handelshochschule Leipzig durchgeführt hat.
Das →Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat anknüpfend an eine Befragung aus dem Jahr 2006 in den Abschlussjahrgängen 12 und 13 → fünf Entscheidertypen gebildet. Aus der Typisierung ergibt sich, dass die Motive der Studienwahl und damit die Chancen einer Erfolg versprechenden Anwerbung von Studieninteressierten individuell sehr unterschiedlich sind:
Demnach sind mit den "Heimatgebundenen Hedonisten" und den "Leistungsstarken Karriereorientierten" zwei Typen sehr heimatverbunden und somit schwer für einen Ortswechsel zu begeistern.
Das muss jedoch kein Grund sein, diese Gruppen aus dem Hochschulmarketing auszuklammern:
Heimatverbundenheit ist ein Bekenntnis zur vertrauten Umgebung. Subjektiv wird Risiko einer Fehlentscheidung als geringer empfunden, wenn man dort bleibt, wo man sich auskennt. Die Sympathie für ein neues Umfeld wächst mit Vertrauen. Die Hochschule kann dazu beitragen durch umfassende Informationen, Interaktionen und letztendlich erfüllte Erwartungen.
Bei den "Intrinsischen Altruisten", den "Serviceorientierten Unabhängigen" und den "Hedonistischen Karriereorientierten" fällt der Faktor "Heimatnähe" nicht so stark ins Gewicht. Ihnen sind folgende Aspekte besonders wichtig:
Diese Bereiche werden hier unter Fachwahl subsumiert.
All das gehört hier zum städtischen Umfeld. Die Bedeutung des angenehmen Umfelds, was eine Stadt ausstrahlt, wird in Zukunft eher steigen als sinken. Das beweist die erwähnte Dissertation von Gunter Greven: Wer überhaupt zu Mobilität bereit ist, stellt in dieser Hinsicht meist besonders→hohe Ansprüche.
Naheliegenderweise wird eine Hochschule, die zu diesen Bereichen glaubwürdig und lebendig informiert, gute Chancen bei der Ansprache von Studieninteressierten haben.
Dazu erscheint es notwendig, dass Hochschulen auf ihren Websites ausführlich auf ihr Studienfachangebot und die Atmosphäre des Hochschulortes eingehen.
Literatur: Hachmeister, Cort-Denis / Harde, Maria / Langer, Markus 2007. Einflussfaktoren der Studienentscheidung. Eine empirische Studie von CHE und EINSTIEG. Gütersloh
Heine, Christoph / Willich, Julia / Schneider, Heidrun 2009. Informationsverhalten und Hochschulwahl in West- und Ostdeutschland. Eine Sekundäranalyse der HIS Studienanfängerbefragung des Wintersemesters 2007/08. Hannover
Heine, Christoph 2008. Studienanfänger in den alten und neuen Ländern: Gründe der Hochschulwahl und Bewertungen der Regionen in West- und Ostdeutschland. Hannover