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Das Image einer Hochschulstadt kann ein entscheidender Faktor bei der Ansprache von Studieninteressierten sein: Darauf weisen besonders die →Leitfadeninterviews der Studie "Studienwahl Ost", die eingangs zitierte HIS-Studie →Studienanfänger in den alten und neuen Ländern und zuletzt →Studieren in Ostdeutschland? hin.
Wie für eine Institution gilt auch für eine Stadt oder Region: Ein positives Image muss langfristig aufgebaut werden, ein negatives Image kann meist nicht im Handstreich korrigiert werden. Wer sich ein subjektiv zweifelsfreies und plausibles Urteil über eine Stadt gebildet hat, ist nur schwer zum Überdenken zu bewegen. Und wer sich mit einer Stadt aus Desinteresse gar nicht beschäftigt hat, möchte für die Bereitschaft zur Beschäftigung ein sehr verlockendes Angebot erhalten.
Ohne Bildungsangebote über den Schulabschluss hinaus hält ehrgezige junge Menschen meist nichts in der Stadt. Zu den gefragten Produktivkräften gehören nicht mehr Muskelkraft und Kohleflöze, sondern technologische Innovation und Kreativität. In der Studie →Hochschulen als regionaler Innovationsmotor? wird dazu bemerkt: "Gut ausgebildete Hochschulabsolventen stellen aus regionalpolitischer Sicht einen entscheidenden Standortvorteil dar und transferieren [...] Wissen, das sie in ihrer Ausbildung erlangt haben, in die private Wirtschaft." (Fritsch / Henning et al. 2008)
Wer diese Produktivkräfte anbietet, kann entsprechend hohe Ansprüche an das Lebensumfeld stellen. Umso erstaunlicher ist es, dass nach einer →Umfrage des →Bundesverbands City- und Stadtmarketing unter haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern von Städten und Gemeinden nach den Zielen von Stadtmarketing die Kooperation mit ortsansässigen Hochschulen nicht an erster Stelle zu finden ist.
Eine Hochschule ist für eine Stadt im Wettbewerb um Einwohner/innen mit gefragten Produktivkräften ein enormer Vorteil. Dafür können exemplarisch die Bemühungen in den Städten →Plauen und →Memmingen um eine staatliche Hochschulansiedlung stehen: Während sich so in Plauen immerhin eine →Berufsakademie und die Außenstelle der →Westböhmischen Universität Pilsen angesiedelt haben, bemüht sich der →"Junge Block" in Memmingen, eine Außenstelle der →Hochschule Neu-Ulm einzurichten.
Eine Stadt, die bekannt ist und von Studieninteressierten positiv assoziiert wird, hat es einfacher bei der Anwerbung von Studieninteressierten. Denn für die Studienzeit benötigen Studierende ein Umfeld, das auf ihre Bedürfnisse eingerichtet ist.
Viele Hochschulstädte haben da viel zu bieten, obwohl sie nicht über das Image einer "Studierendenstadt" verfügen. Umso wichtiger ist es, die Annehmlichkeiten des städtischen Umfelds selbstbewusst und gleichzeitig nachvollziehbar darzustellen. Die folgende Auflistung versteht sich als (keinesfalls Vollständigkeit reklamierende) Ideensammlung, wie eine Hochschule ihr städtisches Umfeld präsentieren kann:
Denkbar wäre überdies, dass Hochschule und Stadt kooperieren: Einige Inhalte der Website oder der Veranstaltungskalender können vom Stadtmarketing bereit gestellt und zielgruppengerecht aufbereitet werden.
Literatur: Beckmann, Julia / Langer, Markus 2009. Studieren in Ostdeutschland? Eine Empirische Untersuchung der Bereitschaft zum Studium in den neuen Ländern. Gütersloh
Birk, Florian / Grabow, Busso / Hollbach-Grömig, Beate 2006 (Hg.). Stadtmarketing - Status Quo und Perspektiven. Berlin
Heine, Christoph 2008. Studienanfänger in den alten und neuen Ländern: Gründe der Hochschulwahl und Bewertungen der Regionen in West- und Ostdeutschland. Hannover
Herrmann, Viola / Winter, Martin 2009. Studienwahl Ost. Befragung von westdeutschen Studierenden an ostdeutschen Hochschulen. Lutherstadt Wittenberg