![]() |
Hochschulwebsite |
Eine Grundlage bei der Beschäftigung mit Hochschulwebsites muss ihre funktionelle Einordnung sein: Die Evaluation einer gelungenen Umsetzung sollte sich am strukturellen Rahmen einer Hochschulwebsite orientieren, vorgegeben durch die Möglichkeiten des WWW und die Bedürfnisse der Zielgruppe. Es gibt verschiedene Ansätze, um Websites zu klassifizieren - geographisch, der Intention ihrer Betreiber/innen nach oder als Ergebnis einer inhaltlich-strukturellen Analyse.
Allgemein bekannt sind Top-Level-Domains, die von der →IANA (Internet Assigned Number Authority) definiert werden. Bei ihnen ist zu unterscheiden zwischen
Erstere sind länderspezifisch und haben zwei Zeichen (z.B. ".de", ".at", ".ch"). Sie enthalten außer der regionalen Herkunft keinerlei weitere Informationen.
Letztere bestehen aus drei Zeichen und gliedern Websites nach dem Zweck, den Betreiber/innen in ihnen sehen: So ist z.B. ".org" das Kürzel für Organisationen, ".net" für Netzwerkdienste und ".gov" für Regierungsseiten. Für Bildungseinrichtungen ist das Kürzel ".edu" gedacht, das im Hochschubereich in Deutschland bislang nur spärlich genutzt wird.
Einige Endungen wie etwa ".com" für kommerzielle Angebote erfahren extreme Beliebtheit und werden längst über den ursprünglich erdachten Zweck heraus genutzt. Üblich sind außerdem Kombinationen aus ccTLD und gTLD (z.B. "com.au", "edu.de").
gTLDs benennen zwar funktionelle Kategorien, definieren diese aber nicht inhaltlich, d.h. sie treffen keine Aussage darüber, was das Webangebot eines Netzwerkdienstes oder einer Bildungseinrichtung ausmacht. Für diesen Zweck ist zur Ergänzung ein strukturell-inhaltlich fundierter Klassifikationsansatz nötig.
Ein solches etabliertes und auch ohne vertieftes Wissen über Computerlinguistik nachvollziehbares Schema ist das von Amitay et al. Sie fokussieren sich vor allem auf die quantitative und qualitative Analyse von Links und werten Suchmaschinenergebnisse aus. Dadurch kommen sie zu folgender Kategorisierung:
Zu den bei Amitay aufgeführten Typen von Websites sind noch zwei weitere zu ergänzen:
Hochschulwebsites weisen Charakteristika von mehreren der vorgestellten Website-Typen auf.
Wie Amitay herausarbeitet, sind sie Hybride zwischen Firmenwebsites und virtuellen Host-Diensten: Der zentral gepflegte Bereich dient der Information und Marketingzwecken, er erhält zahlreiche eingehende Links. Die Seiten stehen möglichst vollständig in einer komplexen Hierarchie. Bereiche, die für Gruppen oder einzelne Mitarbeiter/innen reserviert sind, haben hingegen oft kaum Verbindungen zu anderen Seiten der Hochschulpräsenz oder externen Webangeboten auf. Manchmal sind diese Bereiche überdies passwortgeschützt.
Darüber hinaus weist der zentral gepflegte Bereich aber mitunter auch Charakterzüge eines E-Shops auf, wenn Dialoge und Navigationswege auf das Erzielen einer bestimmten Transaktion ausgerichtet sind, beispielsweise den Download von Immatrikulationsunterlagen. Und nicht zuletzt ist der Newsbereich einer Hochschulwebsite zu einem gewissen Grad vergleichbar mit aktuellen Informationsportalen, wenngleich die interne Verlinkung nicht immer so umfassend vorgenommen wird wie bei werbefinanzierten Angeboten.
Der für Studieninteressierte relevante Bereich einer Hochschulwebsite ist somit als Hybrid aus Firmenwebsite, E-Shop und Informationsportal zu betrachten.
Literatur: Amitay, Einat / Carmel, David et al. 2003. The Connectivity Sonar: Detecting Site Functionality by Structural Patterns. Haifa
Lee, Yeoung-Su 2008. Website-Klassifikation und Informationsextraktion aus Informationsseiten einer Firmenwebsite. Dissertation am Centrum für Informations- und Sprachverarbeitung (CIS) der Ludwig-Maximilians-Universität. München