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Diese Priorität der Studieninteressierten lässt sich sowohl aus dem →Bericht zur Situation der Studienanfänger im Wintersememster 2007/08 als auch aus der Studie →Einflussfaktoren der Studienentscheidung des CHE folgern.
14 % der Befragten des Berichtes geben an, dass "formale Beschränkungen der Hochschulwahl" Ausschlag gebend gewesen seien für ihre Hochschulwahl. Das bedeutet, sie hätten dieses Fach lieber woanders studiert, dort aber nicht vorgefunden. Jemand, auf den das zutrifft, kommt auch in den Leitfadeninterviews der Untersuchung →Studienwahl Ost vor. 19 % nennen den Faktor "Fächerangebot" als vorrangig für ihre Wahl. Also gilt für 33 % der Befragten: Zuerst das Studienfach. Danach folgen mit Abstand "Heimatnähe" (19 %) und "guter Ruf der Hochschule" (9 %).
In der Befragung des CHE sollten die Studieninteressierten die Aspekte "Fach", "Ort" und "Hochschultyp" in eine Reihenfolge bringen. Hierbei wurden die Kombinationen, bei denen das Fach an erster Stelle von annähernd 90 % der Befragten ausgewählt.
Die Zahlen des CHE wirken sehr hoch gegriffen, wenn man sie mit dem Ergebnis der HIS-Befragung vergleicht. Letztere lies bei der Frage nach dem wichtigsten Studienwahlmotiv keine Mehrfachnennungen zu, somit waren die Befragten zu einer eindeutigen Entscheidung gezwungen.
Man kann sich daher fragen, ob die Studieninteressierten das Merkmal Studienfach als einen "Ort sozialer Erwünschtheit" (Diekmann 1995) empfinden. Von derartigen Merkmalen erwarten die Befragten, dass sie von den sozialen Systemen aus ihrer Umgebung (Freundeskreis, Familie, Gesellschaft ...) besonders positiv bewertet werden. Wenn die eigene Einstellung als abweichend von dieser sozialen Norm eingeschätzt wird, kann es zu Verzerrungen bei der Antwort kommen.
Dies erscheint als Erklärung für die annähernd 90 % mit der Priorität Fachwahl bei der CHE-Studie plausibel. Aspekte wie das städtische Umfeld oder das Image spielen eben auch eine große Rolle. Nichtsdestotrotz sollte die Fachwahl eines der wichtigsten Themen der Hochschulwebsite sein.
Die Bandbreite der Ausführlichkeit, Lebendigkeit und Interaktionsorientierung bei der Vorstellung der Studienfächer variiert stark auf Hochschulwebsites. Es ist alles zu finden: Von einer Beschränkung auf PDF-Dokumente mit den elementarsten Informationen bishin zu Präsentationen, die intensiv auf Studienaufbau, Studienziele, Auslandskontakte und berufliche Perspektiven eingehen, virtuelle Laborrundgänge beinhalten und Interaktionen mit Lehrenden und aktuellen Studierenden anbieten.
Die folgende Auflistung versteht sich als (keinesfalls Vollständigkeit reklamierende) Ideensammlung, wie eine Hochschule ihre Studienfächer im Web darstellen kann:
So ergibt sich für Studieninteressierte die Gelegenheit, Vertrauen dank anschaulicher Informationen und vielfältiger Interaktionen aufbauen.
Literatur: Diekmann, Andreas 1995. Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek
Hachmeister, Cort-Denis / Harde, Maria / Langer, Markus 2007. Einflussfaktoren der Studienentscheidung. Eine empirische Studie von CHE und EINSTIEG. Gütersloh
Heine, Christoph / Willich, Julia / Schneider, Heidrun 2009. Informationsverhalten und Hochschulwahl in West- und Ostdeutschland. Eine Sekundäranalyse der HIS Studienanfängerbefragung des Wintersemesters 2007/08. Hannover
Herrmann, VIola / Winter, Martin 2009. Studienwahl Ost. Befragung von westdeutschen Studierenden an ostdeutschen Hochschulen. Lutherstadt Wittenberg